Zum Inhalt springen
Wind kt ◉ Webcam 4,8
Jetzt buchen
DE
Luftaufnahme des Kitepower-Strands mit den ersten rund 800 m Schulungsbereich und den dahinterliegenden tieferen Zonen

Kitesurfen

Warum Flachwasser das Erlernen von Kitesurfen beschleunigt

Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 6 Min. Lesezeit

Warum die ersten rund 800 m Schulungsbereich über Sand kontrollierte Wiederholungen unterstützen können – mit ehrlicher Einordnung von Tiefe, Tide, Risiken und individuellem Lerntempo.

Warum fahren zwei Leute mit derselben Vorerfahrung nach einer Woche Kurs mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen nach Hause? Ein großer Teil der Antwort steht nicht im Kursplan, sondern im Wasser: Flachwasser.

Was Flachwasser dir gibt, sind viele kurze, kontrollierte Wiederholungen. Wie schnell daraus Fortschritt wird, hängt trotzdem von Wind, Wasserstand, Fitness, Vorerfahrung und deinem eigenen Lerntempo ab.

Was passiert, wenn du in tiefem Wasser hinfällst

Stell dir vor, du lernst Kitesurfen an einem Spot mit zwei bis drei Metern Wassertiefe und Wellen. Du fällst vom Board (was viele Male pro Stunde passiert). Und jetzt:

  1. Du schwimmst zum Board, das fünf Meter weggetrieben ist
  2. Dabei steuerst du den Kite mit einer Hand, damit er nicht ins Wasser fällt
  3. Du erreichst das Board, setzt es an die Füße – im Wasser, wo du nicht stehen kannst
  4. Du richtest den Kite in die richtige Position – immer noch schwimmend, immer noch ohne Stand
  5. Du versuchst den Wasserstart – und fällst wieder hin
  6. Wiederholung ab Punkt 1

Wie lange so ein Zyklus dauert, ist von Tag zu Tag verschieden – Wind, Wellen, Drift, Können und Kondition spielen alle mit. Eine Zahl schreiben wir dir deshalb nicht hin. Was aber immer stimmt: Jedes Neuansetzen im tiefen Wasser kostet Kraft, die dir beim nächsten Versuch fehlt.

Was passiert, wenn du in El Gouna hinfällst

Wenn Körpergröße und tatsächlicher Wasserstand es erlauben, kannst du im ersten rund 800 m langen Schulungsbereich nach einem Sturz oft stehen und dich neu sortieren. Das Board kann trotzdem abtreiben und der Kite kann ins Wasser fallen; Bodydrag und Relaunch bleiben deshalb Pflichtbestandteile der Ausbildung.

  1. Du stabilisierst den Kite.
  2. Du prüfst, ob die aktuelle Tiefe ein sicheres Stehen erlaubt.
  3. Du holst das Board oder nutzt den erlernten Bodydrag.
  4. Du richtest Kite und Board für den nächsten kontrollierten Versuch aus.
  5. Du startest erst, wenn Bereich und Verkehr frei sind.

Wenn du zwischen den Versuchen stehen kannst, sparst du Zeit und Kraft – jedes Mal. Eine feste Zahl an Versuchen kommt am Ende trotzdem nicht dabei heraus: Wind, Fehlerbild, Drift und Tagesform machen jeden Trainingsblock anders.

Die Mathematik des Lernens

Kitesurfen wird durch gezielte Wiederholung gelernt. Mehr Versuche helfen nur dann, wenn sie sicher, passend angeleitet und technisch sinnvoll sind; die reine Anzahl garantiert kein schnelleres Ergebnis.

In derselben Stunde Wasserzeit bekommst du in der Schulungszone in aller Regel mehr saubere Versuche als in einer reinen Tiefwasserlektion. Einen Multiplikator oder eine Zahl von Tagen schreiben wir dir trotzdem nicht hin – so funktioniert Lernen nicht. Die ehrliche Einordnung findest du im Artikel wie lange es dauert, Kitesurfen zu lernen.

Und es geht nicht nur um die Menge, sondern um die Qualität. Wer nach einem Sturz in Ruhe neu ansetzen kann, hat den Kopf schneller wieder bei der nächsten Aufgabe – statt bei der Frage, wie er sein Board zurückbekommt.

Der psychologische Effekt

Dieser Faktor wird unterschätzt, ist aber entscheidend. Angst vor tiefem Wasser, vor der Strömung, vor Wellen – das sind reale Dinge, die das Lernen bremsen. Nicht jeder gibt es zu, aber viele Menschen bremsen im tiefen Wasser unbewusst, weil sie Angst haben.

Wenn du weißt, dass du im Zweifel einfach aufstehen kannst, fällt ein großer Teil dieser Anspannung weg – und du traust dich an die Bar. Wegzaubern lässt sich Angst damit nicht, und die Risiken durch Wind, Tide, Strömung und Stürze verschwinden auch nicht. Schwimmen können, Selbstrettung beherrschen und auf die Einschätzung deines Coaches hören: bleibt Pflicht.

Unsere Lagune in Zahlen

Unsere Station liegt ganz im Norden von El Gouna, an einer 2–3 km langen Lagune mit einem definierten Schulungsbereich und einer separaten tieferen Foil-Zone:

  • Länge: 2–3 Kilometer
  • Breite: etwa 1 Kilometer bis zum Riff
  • Schulungsbereich: die ersten rund 800 m sind bei typischen Bedingungen knie- bis hüfttief; Körpergröße, Tide und Ort entscheiden, ob du stehen kannst
  • Boden im ausgewiesenen Schulungsbereich: überwiegend sandig; das Team prüft die aktive Zone trotzdem auf lokale Hindernisse und veränderte Bedingungen
  • Wasseroberfläche: meist ohne große Brandungswellen – wie es an deinem Tag aussieht, schauen wir uns vor jeder Session an
  • Strömung: im geschützten Schulungsbereich meist überschaubar, abhängig von Wind, Tide und Tagesform der Lagune

Wichtig dabei: Diese Zahlen beschreiben den Normalfall, nicht jeden einzelnen Tag. Die Tide verschiebt die Tiefen, deshalb legen wir die aktive Zone morgens nach Wasserstand, Wind und Betrieb fest – dass bei jedem Tidenstand alles fahrbar ist, behauptet hier niemand. Das ganze Bild bekommst du auf unserer Spot-Seite.

Drei Zonen – organisierter Raum

Die Lagune ist in drei Zonen aufgeteilt:

Schulungszone – für Schüler und Instruktoren. Hier lernst du, ohne dass dir Fortgeschrittene um den Kopf fliegen. Genug Platz, flaches Wasser, Ruhe zum Konzentrieren.

Zone für selbstständige Fahrer – für alle, die allein fahren. Ausreichend Platz zum Fahren, Wenden und Ausprobieren neuer Dinge.

Wingfoil/Hydrofoil-Zone – ein separater Bereich für Foilsportarten, weil ein Foil unter Wasser und Kitesurfer auf der Oberfläche keine ideale Kombination sind.

Diese Aufteilung ist nicht nur organisatorisch – sie ist eine Sicherheitsmaßnahme. Ein Anfänger, der sich auf den Wasserstart konzentriert, kann nicht gleichzeitig einem Fortgeschrittenen ausweichen, der mit Tempo an ihm vorbeifliegt. Und ein Fortgeschrittener möchte nicht wegen eines Anfängers bremsen, der mitten in seiner Bahn im Wasser liegt.

Vergleich mit anderen Spots

Ganz ehrlich – es gibt auch andere Flachwasser-Spots auf der Welt. Dakhla in Marokko, Lo Stagnone auf Sizilien, einige Teile Brasiliens. Aber El Gouna hat eine Kombination von Vorteilen, die du anderswo kaum findest:

  • Flachwasser und stabiler Wind – über 300 windige Tage im Jahr, gemessen an unserer eigenen Wetterstation
  • Flachwasser und warmes Wasser (je nach Saison etwa 20–30 °C)
  • Flachwasser und nah an Europa (4–5 Flugstunden)
  • Flachwasser und komplette Infrastruktur (Hotels, Restaurants, Krankenhaus)
  • Flachwasser und viel Platz nach Luv, weil wir ganz im Norden liegen – wie viel davon nutzbar ist, legen wir täglich fest

Der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Weil wir am nördlichen Ende der Lagune sitzen, haben wir Platz für getrennte Fahrzonen. Wie viel Fläche wir davon freigeben, entscheiden Wind, Wasserstand, Verkehr und Betrieb an dem Tag.

Für wen Flachwasser wichtig ist

Absolute Anfänger – hier zahlt sich jeder Versuch aus, den du nicht schwimmend beginnen musst. Wie schnell daraus Wasserstarts und eigenständiges Fahren werden, ist von Mensch zu Mensch verschieden; Wind, Fitness und Koordination reden mit.

Wiedereinsteiger – ein Refresh-Kurs kann strukturierte Wiederholungen erleichtern, wenn die aktuelle Tiefe passt. Das garantiert weder einen schnelleren Kurs noch, dass du nicht schwimmen oder Bodydrag einsetzen musst.

Schwerere Fahrer – Körpergröße, Gewicht, Wasserstand, Board, Kite und Wind werden gemeinsam beurteilt. Der Wasserstart wird technisch gelernt; vom Boden abzustoßen ist kein Ersatz für kontrollierte Kite- und Boardtechnik.

Menschen mit Respekt vor tiefem Wasser – Boden unter den Füßen nimmt viel Druck raus. Schwimmen können musst du trotzdem, und dein Instruktor schaut sich vorher an, wo du wirklich stehst.

Kinder – ob Unterricht möglich ist, wird individuell nach Gewicht, Wassergefühl, Schwimmfähigkeit, Kraft, Aufmerksamkeit, Motivation und aktuellen Bedingungen beurteilt. Ein flacherer Bereich kann dabei helfen, ersetzt diese Prüfung aber nicht und ist keine pauschale Freigabe nach Alter oder Gewicht.

Fazit

Ein Schulungsbereich, in dem du stehen kannst, macht Wiederholungen leichter und das Neuansetzen billiger – an Zeit und an Kraft. Wann daraus Wasserstarts, längere Schläge und irgendwann eigenständiges Kiten werden, entscheiden Wind, Bedingungen, Fitness, Vorerfahrung und das, was du tatsächlich zeigst. Garantien dafür gibt es an keinem Spot der Welt.

Wenn du überlegst, wo du anfangen möchtest, wähl einen Ort mit Flachwasser. Und wenn es El Gouna sein soll, schau dir unsere Kite-Kurse an oder sieh dir Fotos und Videos von unserem Spot an. Wenn du so weit bist, kannst du direkt online buchen oder uns kontaktieren.

Lukáš Vogeltanz

IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.

Bereit fürs Wasser?

Buche deinen Kurs auf der Lagune, über die wir schreiben.

Max. 2 Schüler pro Instruktor, Funkschulung in beide Richtungen (BB Talkin), Dokumentation der tatsächlich gezeigten IKO-Skills ohne Aufpreis und eine Wind-Garantie, mit der deine gebuchten Stunden nie verfallen. Zero to Hero ab 465€.

4,8 · 549 Bewertungen Älteste, seit 2004 8 Sprachen am Strand