Kitesurfen
Vom Anfänger zum selbstständigen Kitesurfer – ein realistischer Plan
Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 6 Min. Lesezeit
Ein realistischer Lernweg vom ersten Bodydrag in Richtung Upwind-Fahren, mit IKO-Dokumentation der tatsächlich nachgewiesenen Fähigkeiten und praktischem Check vor dem Verleih.
Im Internet findest du Videos von Leuten, die nach drei Stunden springen. Die Realität sieht anders aus. Kitesurfen lässt sich relativ schnell erlernen – aber „erlernen“ und „selbstständiger Fahrer sein“ sind zwei völlig verschiedene Dinge. Hier ist ein ehrlicher Plan, was dich erwartet – von der ersten Berührung mit dem Kite bis zu dem Moment, in dem du dir Material leihst und alleine aufs Wasser gehst.
Was „selbstständiger Kitesurfer“ bedeutet
Das bedeutet nicht, dass du springen oder Switch fahren kannst. Es bedeutet, dass du Folgendes beherrschst:
- Kite sicher auf- und abbauen
- Aus dem Wasser starten (Wasserstart)
- Gegen den Wind fahren (Upwind)
- Zum Startpunkt zurückkehren
- Safety-Systeme verwenden
- Dich an die Vorfahrtsregeln auf dem Wasser halten
Das ist das Independent-Rider-Level – die übliche Basis, wenn du ohne Instruktor Material leihen willst. Ein weltweiter Mietpass ist es aber nicht: Jede Station schaut sich dein Können, die lokalen Regeln, die Bedingungen des Tages und das verfügbare Material selbst noch einmal an. Wenn du die Begriffe sauber sortieren willst: Unser Glossar der Kitesurf-Begriffe erklärt Wasserstart, Upwind, Bodydrag und den Rest.
Phase 1: Grundkurs – 8 Stunden
Hier fängt alles an. Unser Grundkurs (Zero to Hero) umfasst 8 Unterrichtsstunden, verteilt auf normalerweise 3–5 Tage, mit zwei kurzen Wassersessions pro Tag von jeweils etwa 1,5 Stunden. Er kostet 465€ im Doppelunterricht oder 695€ im Einzelunterricht (Preis pro Person, nicht pro Gruppe).
Was du lernst – und beachte: Bei Kitepower gehst du direkt ins Wasser, nicht an den Strand mit einem Trainerkite. Nach einem kurzen Sicherheitsbriefing und dem Aufbau am Sand verlagern sich die ersten Übungen bei passenden Bedingungen in die ersten rund 800 m des knie- bis hüfttiefen Schulungsbereichs über Sand:
- Frühe Phase: Safety-Systeme, Kitesteuerung im Wasser und Bodydrag; wenn diese Grundlagen bereit sind, folgen Wasserstart-Versuche.
- Mittlere Phase: Wiederholte Arbeit am Wasserstart und kontrollierte Fahrversuche. Der Bodydrag gegen den Wind – entscheidend zum Zurückholen des Boards – wird geübt und geprüft.
- Späteres Ziel: Längere Fahrten, beide Richtungen, danach Upwind-Technik. Wie weit du kommst, hängt vom Wind, von deiner Fitness und Koordination ab – und davon, wie schnell die Basics bei dir sitzen.
Am Ende des Grundkurses hält der Instruktor fest, was du tatsächlich kannst. Manche fahren da schon kontrollierte Schläge, andere arbeiten noch am Wasserstart. Beides ist normal: Die Stunden, die du buchst, legen nicht fest, wo du am Ende stehst.
Warum wir einen 8-Stunden-Plan verwenden
Weil acht Stunden am Stück niemandem helfen. Verteilt auf 3–5 Tage fährst du in kürzeren Blöcken mit Pausen dazwischen – und genau in diesen Pausen setzt sich das Gelernte fest. Außerdem hast du so mehrere Tage Wind zur Auswahl statt nur einen. Wie viele Blöcke an einem Tag zusammenkommen und wann sie liegen, richtet sich nach Wind, Buchung und Betrieb; eine feste Vormittags-/Nachmittags-Aufteilung sagen wir nicht zu.
Phase 2: Der Weg zum Upwind
Hier kommt der Moment der Wahrheit. Du kannst fahren, aber du kannst noch nicht zurückkommen. Du musst das Fahren gegen den Wind meistern – Upwind (Höhelaufen). Das ist technisch anspruchsvoller, als es aussieht: Es erfordert den richtigen Boardwinkel, Kantendruck, Körperposition und Kitekontrolle gleichzeitig.
Wie viele Stunden das braucht, kann dir seriös niemand vorher sagen. Nach dem 8-stündigen Grundkurs sagt dir der Instruktor aber genau, was schon sitzt und woran du noch gezielt arbeiten musst. Eine gute Option ist, mit offenen Stunden weiterzumachen – Kitestunden gibt es ab 60€/h – oder, sobald du das passende Level hast, betreute Übungszeit dazuzunehmen. Das große Bild zum Lernweg findest du in unserem Guide Kitesurfen lernen.
Sobald du Upwind gemeistert hast, öffnet sich dir die Welt.
Phase 3: Selbstständiges Kiten
Deine IKO-Zertifizierung – bei unseren Kursen ohne separate Zertifizierungsgebühr enthalten, denn wir sind ein IKO Pro Center – hält das Level fest, das du wirklich gezeigt hast. Bei Kitepower El Gouna gilt dann:
- Mit eigenem Material gibt dir ein Kitepass Zugang zu Strand, Duschen und Einrichtungen
- Der Verleih enthält den Strandzugang im Preis. Welchen Kite aus der Flysurfer-Flotte du bekommst, entscheiden wir aus deinem Level und den gemessenen Bedingungen – und natürlich danach, was gerade da ist
- Rescue ist während der Öffnungszeiten verfügbar; einen Einsatz in jedem Fall oder eine feste Reaktionszeit können wir nicht zusagen
Ab hier wird Kitesurfen vom Kurs zu deinem eigenen Sport. Du fährst in deinem Tempo – innerhalb der Öffnungszeiten, in den freigegebenen Zonen und in den Bedingungen, die der Tag hergibt.
Realistischer Zeitplan
Also wie viele Urlaubstage braucht es wirklich?
Variante A: Ein Trip (7–10 Tage)
- 3–5 Tage Grundkurs (8h)
- Ein paar Folgesessions Richtung Upwind
- Sitzen die nötigen Fähigkeiten, kommt betreutes Üben oder selbstständiges Fahren dazu
- Ergebnis: ein sauberer Einstieg und ein klarer nächster Schritt, den dir der Instruktor schriftlich mitgibt
Variante B: Zwei Trips (mehr Zeit zum Festigen)
- Trip 1 (5–7 Tage): Grundkurs + ein paar Stunden extra → Fahren in beide Richtungen, erste Upwind-Versuche
- Trip 2 (5–7 Tage): Refresh + Fortsetzung → Upwind festigen und auf Eigenständigkeit hinarbeiten
Die Pause zwischen zwei Trips ist dabei kein Verlust – das motorische Gedächtnis setzt sich in der Zwischenzeit. Ein bestimmtes Level bringt dir aber keine der beiden Varianten automatisch mit nach Hause; das entscheiden dein Lerntempo und die Bedingungen der Woche.
Was nach der Selbstständigkeit kommt
Upwind-Fahren ist nicht das Ende – es ist erst der Anfang. Nächste Schritte:
- Transitions (Wenden) – Richtungswechsel ohne Anhalten
- Switch fahren – umgekehrte Fußstellung
- Sprünge – aber wirklich erst, wenn deine Kontrolle solide ist und Upwind automatisch geht
- Foiling – Kite-Hydrofoil oder Wingfoilen sind natürliche nächste Schritte
Auch das Unterrichtsformat ändert sich. Als Anfänger teilst du dir einen Kite mit einem Mitschüler (maximal 2 Schüler pro Instruktor). Als fortgeschrittener Fahrer mit Upwind hast du deinen eigenen Kite – und der Instruktor kann eine kleine Gruppe gleichzeitig coachen: jeder Fahrer auf eigenem Material, der Instruktor begleitet alle in Echtzeit per Funk 1:1 in beide Richtungen (BB Talkin Bluetooth-Helmset). Mehr Action, mehr Spaß und pro Person günstiger.
Was, wenn ich eine Pause hatte?
Das kommt häufiger vor, als du denkst. Du hast vor Jahren Kiten gelernt, dann hattest du 2–3 Jahre Pause, und jetzt weißt du nicht, ob du einen Kurs von vorne beginnen sollst.
Musst du nicht. Wir haben Refresh-Kurse genau für diese Situation – ab 285€ für 4 Stunden oder ab 395€ für 6 Stunden. Der Instruktor bewertet dein Level und stellt das Programm genau dort ein, wo du es brauchst.
Dinge, die dir niemand sagt
- Du wirst nach der ersten Woche nicht springen. Und wenn doch, wahrscheinlich falsch und gefährlich.
- Jeder lernt unterschiedlich schnell. Sportlicher Hintergrund hilft, aber auch ehemalige Profisportler brauchen Zeit.
- Die Bedingungen entscheiden. Die ersten rund 800 Meter des Schulungsbereichs sind bei typischen Bedingungen knie- bis hüfttief über Sand; die tatsächliche Tiefe, der Wind und dein eigenes Lerntempo bestimmen den Fortschritt.
- Frustration ist normal. Die ersten Wasserstart-Tage sind meist die schwierigsten – du weißt, was du tun willst, aber der Körper kooperiert noch nicht. Der Durchbruch kommt meistens kurz danach.
Warum gerade El Gouna für den Unterricht
Die Lagune ist 2–3 km lang und etwa 1 km breit; im ersten, rund 800 m langen Schulungsbereich ist das Wasser über Sand knie- bis hüfttief, danach folgt eine separate tiefere Foil-Zone. Die Wassertiefe verändert sich mit der Tide. Zusammen mit passender Materialwahl, Funk-Coaching in beide Richtungen und IKO-Methode ergibt das einen strukturierten Lernweg. Das komplette Bild findest du unter Ist El Gouna gut für Anfänger?
Etwa 8 von 10 unserer Gäste kommen wieder. Nicht weil wir die günstigsten Preise hätten, sondern weil sie mit dem Gefühl abreisen, wirklich etwas gelernt zu haben.
Möchtest du anfangen? Schau dir die Kurse für Anfänger an oder schreib uns über das Kontaktformular. Online-Reservierung über unsere Buchungsseite.
IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.
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Buche deinen Kurs auf der Lagune, über die wir schreiben.
Max. 2 Schüler pro Instruktor, Funkschulung in beide Richtungen (BB Talkin), Dokumentation der tatsächlich gezeigten IKO-Skills ohne Aufpreis und eine Wind-Garantie, mit der deine gebuchten Stunden nie verfallen. Zero to Hero ab 465€.
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