Kitesurfen
Upwind fahren: Wie du aufhörst, zu Fuß zurückzulaufen
Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 7 Min. Lesezeit
Upwind fahren ist der Meilenstein zum selbstständigen Kitesurfer – Technik-Tipps, realistischer Zeitbedarf und warum der erste rund 800 m lange Schulungsbereich beim Üben hilft.
Du kennst das Gefühl. Du hast gerade fahren gelernt, stehst endlich auf dem Board, der Kite zieht dich, und du fährst. Es ist großartig. Dann schaust du zum Ufer und stellst fest, dass du 300 Meter windabwärts von deinem Startpunkt bist. Also nimmst du das Board ab, schnappst dir den Kite und läufst zu Fuß zurück. Wieder. Und wieder.
Das ist die Realität des Kitesurfens, bis du lernst, Upwind zu fahren – also gegen den Wind. Und genau das ist der Meilenstein, der „ich bin im Kurs“ von „ich bin ein selbstständiger Fahrer“ trennt.
Was Upwind-Fahren ist und warum es so wichtig ist
Upwind fahren bedeutet, dass du auf dem Board an den Punkt zurückkehren kannst, von dem du losgefahren bist – oder sogar noch weiter gegen den Wind. Es ist kein Trick und keine fortgeschrittene Technik. Es ist eine grundlegende Fähigkeit, ohne die du Kitesurfen nicht selbstständig betreiben kannst.
Warum? Weil der Wind dich immer windabwärts (Downwind) trägt. Wenn du nicht Upwind fahren kannst, landest du nach jeder Fahrt weiter vom Start entfernt. In der Lagune bedeutet das Zurücklaufen. Auf dem offenen Meer kann das zum echten Problem werden.
Im IKO-System (International Kiteboarding Organization) ist Upwind-Fahren ein Kernbestandteil des Independent-Rider-Levels – die übliche Basis, wenn du ohne Instruktor Material leihen willst. Ein Automatismus ist das nicht: Jede Station schaut sich dein Können, die lokalen Regeln, die Bedingungen des Tages und die Materialverfügbarkeit selbst noch einmal an. Wenn dir die Begriffe noch neu sind: Unser Kitesurf-Glossar erklärt die wichtigsten Ausdrücke.
Wie viele Stunden es dauert
Seien wir ehrlich: Upwind kommt nicht über Nacht, und wer dir eine feste Stundenzahl nennt, rät. Wie schnell es sitzt, hängt von deiner Fitness und Koordination ab, davon wie sicher du den Kite schon steuerst – und vom Wind und Wasser der Woche.
Unser Grundkurs läuft über 8 Stunden, typischerweise verteilt auf 3–5 Tage. Er führt von Bodydrag und Wasserstart zu kontrolliertem Fahren und Upwind-Technik, aber die Reihenfolge richtet sich nach dir und den Bedingungen. Manche fahren am Ende des Kurses sauber Upwind, andere brauchen noch ein paar gecoachte Stunden. Die ehrliche Version, Fähigkeit für Fähigkeit, steht in Wie lange dauert es, Kitesurfen zu lernen.
Wichtig ist, nichts zu überstürzen. Upwind-Fahren setzt voraus, dass du die Grundlagen beherrschst – Kitesteuerung, Wasserstart, stabiles Fahren. Wenn du Schritte überspringst, wirst du frustriert sein. Das Gesamtbild des Lernwegs findest du in unserem Guide Kitesurfen lernen.
Technik: Was du eigentlich anders machst
Hier ist, was die Fahrt mit dem Wind von der Fahrt gegen den Wind unterscheidet:
1. Die Boardkante
Das ist das Wichtigste. Beim Upwind-Fahren musst du das Board „edgen“ – die Kante des Boards ins Wasser drücken. Stell dir vor, du fährst Snowboard und willst bremsen – du kippst das Board auf die Kante. Auf dem Wasser ist es ähnlich.
Je mehr du die hintere Kante des Boards (die näher zu dir) belastest, desto mehr schneidet das Board gegen den Wind, statt mit dem Wind zu gleiten. Anfänger fahren oft mit dem Board flach auf dem Wasser – und deshalb trägt sie der Wind ab.
Praktischer Tipp: Drück die Fersen nach unten. Nicht die Zehen, die Fersen. Das Gefühl sollte so sein, als würdest du dich an einen Stuhl lehnen – Gewicht auf den Fersen, Körper leicht nach hinten.
2. Kite-Position
Der Kite sollte ungefähr auf 45 Grad stehen – also etwa zwischen dem Zenit (12 Uhr) und dem Horizont. Nicht zu hoch (dort zieht er dich nach oben statt nach vorne), nicht zu tief (dort riskierst du, dass der Kite ins Wasser fällt).
Auf 45 Grad erzeugt der Kite einen Zug, der dich nach vorne und leicht nach oben zieht – die ideale Kombination für Upwind-Fahren. Sine nicht (beweg den Kite nicht ständig auf und ab) – halte ihn stabil an einer Position.
3. Körper nach hinten
Lehn dich zurück. Wirklich. Die meisten Anfänger haben Angst, sich zurückzulehnen, weil sie das Gefühl haben, nach hinten zu fallen. Aber der Kite hält dich – sein Zug ist dein Gegengewicht. Je mehr du dich zurücklehnst, desto mehr Gewicht verlagerst du auf die Boardkante und desto effektiver fährst du Upwind.
Arme gestreckt, Körper wie ein Seil zwischen dir und dem Kite. Hüfte nach vorne, Schultern nach hinten.
4. Der Blick
Schau dorthin, wo du hinfahren willst. Nicht auf den Kite, nicht auf das Board, nicht auf das Wasser direkt vor dir. Schau schräg gegen den Wind, dorthin, wo du hinfahren möchtest. Der Körper folgt dem Blick – ein Grundprinzip, das in allen Boardsportarten gilt.
Wenn du windabwärts schaust, fährst du windabwärts. Wenn du gegen den Wind schaust, stellt sich der Körper natürlich so ein, dass du Upwind fährst.
5. Position auf dem Board
Das vordere Bein (näher zum Kite) sollte leicht gebeugt sein, das hintere Bein (weiter vom Kite entfernt) mehr gestreckt und in die Kante gedrückt. Das Gewicht sollte größtenteils auf dem hinteren Bein liegen – etwa 60/40 oder 70/30 verteilt.
Die häufigsten Fehler
Zu flaches Board
Du fährst mit dem Board flach und wunderst dich, dass der Wind dich abträgt. Lösung: Fersen runter, Kante ins Wasser.
Kite zu hoch
Der Kite steht fast im Zenit und zieht dich nach oben statt nach vorne. Lösung: Kite auf 45 Grad senken.
Zu aufrechte Position
Du stehst gerade wie eine Kerze. Lösung: Zurücklehnen, den Kite halten lassen.
Sinen
Du bewegst den Kite ständig auf und ab, statt ihn stabil zu halten. Sinen erzeugt Zug windabwärts. Lösung: Kite auf 45° parken und dort lassen.
Zu wenig Zug
Der Kite erzeugt zu wenig Zug, und du hast nicht genug Kraft zum Edgen. Lösung: entweder ein größerer Kite oder mehr Wind. Manchmal liegt es einfach nicht an der Technik – es liegt an den Bedingungen.
Warum die Lagune von El Gouna ideal zum Upwind-Training ist
Die meisten Kite-Spots der Welt haben irgendeinen Haken – Strömung, Wellen, begrenzter Platz, tiefes Wasser. Die Lagune in El Gouna hat für das Upwind-Training mehrere entscheidende Vorteile:
- Meist geschützte Wasseroberfläche. Bei passenden Bedingungen bekommst du hier deutlich mehr ruhige Wiederholungen als an einem offenen Meeres-Spot. Wellen und Chop gibt es trotzdem – wie viel, siehst du am Tag selbst.
- Wenig Strömung im ausgewiesenen Schulungsbereich. Wind, Tide und Wasserstand erzeugen trotzdem Drift, nur eben selten so viel, dass sie dich beim Üben aus dem Konzept bringt.
- Definierter Schulungsbereich mit Sandboden. Die ersten rund 800 m sind knie- bis hüfttief; je nach Körpergröße und aktuellem Wasserstand kannst du dort meistens stehen, durchatmen und neu ansetzen. Danach wird die Lagune tiefer.
- Breiter Fahrraum. Die Lagune ist 2–3 km lang – genug für lange Schläge, ohne dass du alle zwanzig Sekunden wenden musst.
- Täglich organisierte Fahrzone. Bei Wind aus Nord bis Nordwest hast du von der nördlichen Position aus einen offenen Anströmweg.
Zwei Dinge dazu, damit das Bild stimmt: Welche Zone an deinem Tag offen ist und wie viel Platz du bekommst, entscheidet sich morgens – nach Wind, Wasserstand, Verkehr und Können. Und flach heißt nicht weich. Auch über Sand ist ein Sturz ein echter Aufprall, und dass die ganze Lagune frei von harten Hindernissen ist, solltest du nie voraussetzen.
Mehr über den Spot findest du auf unserer Website.
Was, wenn ich schon fahre, aber Upwind nicht klappt
Viele Menschen lernen Kitesurfen, fahren dann ein oder zwei Jahre nicht, und wenn sie zurückkommen, stellen sie fest, dass das Upwind-Fahren, das sie fast beherrscht hatten, wieder weg ist. Das ist normal.
Genau dafür haben wir den Refresh-Kurs – der Instruktor geht mit dir die Technik durch, korrigiert Fehler und hilft dir, wieder Sicherheit zu gewinnen. Die meisten Menschen fahren nach dem Refresh besser als vorher, weil wir die schlechten Angewohnheiten korrigieren, die sich über die Jahre eingeschlichen haben.
Jeder Schüler trägt einen BB-Talkin-Bluetooth-Helm, und der funkt in beide Richtungen: Der Instruktor spricht mit dir und hört dich auch, in Echtzeit, mitten auf dem Wasser. Er korrigiert sofort – Kite-Position, Boardkante, Gewicht nach hinten – ohne dass du dafür ein einziges Mal an den Strand zurückmusst. Gerade beim Upwind-Training ist dieses Funk-Coaching 1:1 der Unterschied zwischen „irgendwann geht’s von selbst“ und „heute Nachmittag“.
Details findest du auf der Seite der Kurse, oder schreib uns über den Kontakt.
Nach dem Upwind-Fahren: Was als Nächstes kommt
Sobald du Upwind beherrschst, öffnet sich das selbstständige Fahren richtig – und es ist die übliche Voraussetzung, wenn du bei uns Material leihen willst. Eine Rückfahrgarantie zum Startpunkt ist es trotzdem nicht: Strömung, drehender oder abflauender Wind, Materialdefekte und schlicht Fehler bleiben im Spiel. Deshalb gehören Selbstrettung und das lokale Briefing weiter dazu. Danach wird es spannend: Sprünge, Transitions, Foiling.
Auch der Unterricht verändert sich. Als Anfänger hast du dir einen Kite mit einem anderen Schüler geteilt – höchstens zwei Schüler pro Instruktor, der Instruktor direkt bei dir. Sobald du Upwind beherrschst, wird der Kite zur zweiten Natur, und der Instruktor kann dich aus der Distanz coachen. Nach den IKO-Regeln kann ein Instruktor höherer Stufe eine Gruppe fortgeschrittener Fahrer leiten – jeder auf seinem eigenen Kite. Das ist die Grundlage unserer Kite-Camps: eine Gruppe von Freunden, jeder auf seinem eigenen Kite, der Instruktor coacht über den Funkhelm und konzentriert sich auf Technik, Transitions und Sprünge. Ein völlig anderes Erlebnis als ein Anfängerkurs – und preislich deutlich günstiger pro Person.
Upwind-Fahren ist nicht das Ende des Lernens. Es ist der Anfang des echten Kitesurfens.
Und wenn du in El Gouna bist und daran arbeiten möchtest, weißt du, wo du uns findest. Die Lagune wartet, der Wind weht, und das Zurücklaufen zu Fuß ist Vergangenheit.
IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.
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Max. 2 Schüler pro Instruktor, Funkschulung in beide Richtungen (BB Talkin), Dokumentation der tatsächlich gezeigten IKO-Skills ohne Aufpreis und eine Wind-Garantie, mit der deine gebuchten Stunden nie verfallen. Zero to Hero ab 465€.
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