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Luftaufnahme des Kitespots El Gouna mit dem ersten rund 800 m langen Schulungsbereich, der tieferen Foil-Zone und dem Strand

El Gouna

Thermischer Wind in El Gouna – wie er funktioniert und wann er kommt

Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 5 Min. Lesezeit

Wie funktioniert der thermische Wind in El Gouna? Die Wüste heizt sich auf, Luft vom Meer strömt nach – und du hast stabilen Wind zum Kitesurfen. Einfach erklärt.

Wenn ich jemandem erzähle, dass El Gouna über 300 Windtage im Jahr verzeichnet, kommt fast immer die Rückfrage: „Wie ist das möglich?“ Ein großer Teil der Antwort ist der thermische Effekt. Unsere Stationsdaten zeigen dabei ein sehr stabiles Muster – versprechen kann dir aber niemand einen einzelnen Tag oder eine einzelne Session.

Schauen wir uns das so an, dass es auch Sinn ergibt, wenn du nie Meteorologie studiert hast.

Das Prinzip – einfach erklärt

Stell dir eine riesige Wüste vor. Die Sahara. Sie liegt westlich von El Gouna und heizt sich tagsüber unglaublich auf. Sand, Felsen – alles absorbiert die Sonnenwärme und erwärmt die Luft darüber. Heiße Luft ist leichter als kalte, also steigt sie auf.

Und was passiert, wenn über der Wüste die Luft aufsteigt? Irgendwoher muss Ersatz kommen. Und der kommt vom Meer. Kühlere, feuchtere Luft vom Roten Meer strömt landeinwärts, um den Druckunterschied auszugleichen. Genau diese Luftströmung ist der thermische Wind.

In El Gouna funktioniert das hervorragend, weil das Meer im Osten liegt und die Wüste im Westen. Wenn sich die Wüste aufheizt, kommt die Luft vom Meer in Gang – und wir haben Wind.

Wie es im Tagesverlauf aussieht

Thermischer Wind hat seinen eigenen Rhythmus, und nach ein paar Tagen in El Gouna kennst du ihn auswendig:

Morgens (7–10 Uhr): Relativ ruhig. Die Wüste wärmt sich erst auf, der Druckunterschied ist noch nicht groß genug. Das ist die Zeit für Frühstück, Kaffee, Material vorbereiten. Manchmal weht es leicht dank des vorherrschenden Nordwinds, aber für Kitesurfen reicht es meistens noch nicht.

Vormittags (10–12 Uhr): Die Wüste kommt in Gang. Der thermische Effekt addiert sich zum Nordwind, und es beginnt zu wehen. Erst leicht, dann stärker. Meistens ist gegen 11–12 Uhr der Wind stark genug zum Fahren.

Nachmittags (13–17 Uhr): Volle Power. Die Wüstentemperatur ist auf dem Maximum, der thermische Wind läuft auf Hochtouren. Das ist die Haupt-Kite-Zeit – stabiler, vorhersagbarer Wind, meistens 15–25 Knoten. Genau in diesem Zeitfenster planen wir unsere zwei täglichen Sessions.

Später Nachmittag (17–19 Uhr): Die Wüste beginnt abzukühlen, der thermische Effekt lässt nach. Der Wind nimmt allmählich ab. Meistens ist es bei Sonnenuntergang ruhig.

Dieser Zyklus wiederholt sich Tag für Tag, besonders von April bis November. In den Wintermonaten ist der thermische Effekt schwächer (die Wüste heizt sich nicht so stark auf), aber der vorherrschende Nordwind gleicht das meistens aus.

Warum El Gouna so zuverlässig ist

Thermischer Wind allein würde nicht reichen. El Gouna ist deshalb so außergewöhnlich, weil sich zwei Systeme kombinieren:

  1. Vorherrschender Nord- bis Nordwestwind (N–NW) – angetrieben von den Drucksystemen über der Region. Wie stark er an deinem Tag steht und aus welchem Winkel genau, siehst du erst an den aktuellen Messwerten.
  2. Thermischer Wind – kommt tagsüber dazu und verstärkt den Gesamteffekt.

Wenn Grundströmung und thermischer Effekt zusammenkommen, legt der Wind im Tagesverlauf oft zu. Wie viel, sagt dir kein globales Modell zuverlässig – die rechnen lokale Effekte nur grob mit. Deshalb halten wir die Vorhersage immer gegen die Live-Werte unserer eigenen Wetterstation, statt dir pauschal ein paar Knoten obendrauf zu versprechen.

Auf unserer Spot-Seite findest du eine Webcam und einen Windguru-Link, mit denen du dich selbst überzeugen kannst.

Thermischer Wind je nach Saison

Nicht jeden Monat ist der thermische Effekt gleich stark. Es hängt davon ab, wie stark sich die Wüste aufheizt:

Stärkerer thermischer Effekt: April–Oktober. In diesen Monaten heizt sich die Wüste richtig auf, und das sieht man in den Daten: Unsere vier Jahre Stationsmessungen zeigen für diese Monate die besten Windanteile im Jahr.

Schwächerer thermischer Effekt: November–März. Die Wüste heizt sich nicht so stark auf, daher fällt der thermische Bonus geringer aus. Aber der vorherrschende Nordwind gleicht das größtenteils aus. Im Januar und Februar weht es an etwa 5 von 7 Tagen – nur ist der Wind etwas weniger vorhersagbar. In dieser Zeit brauchst du außerdem einen langen Neoprenanzug (den stellen wir) – in den kühleren Monaten reicht die Boardshort allein nicht.

Juli – der Sonderfall. Die Wüste ist am heißesten, aber gelegentlich stabilisieren sich die Luftmassen, und der thermische Wind „schaltet ab“ für ein paar Tage. Wenn es 42 °C hat und kein Wind weht, ist das ein eigenartiges Gefühl. Aber auch im Juli kommt der Wind – nur nicht so regelmäßig wie im Oktober. Der Vorteil? Auf der Lagune hast du problemlos Platz, weil kaum jemand da ist.

Eine komplette Monat-für-Monat-Übersicht, aufgebaut auf vier Jahren Daten unserer eigenen Wetterstation, findest du in unserem Guide zur besten Zeit zum Kiten in El Gouna.

Was das für den Unterricht bedeutet

Für Kitesurfing-Kurse hilft uns der thermische Tagesgang bei der Planung – aber es bleibt Wetter und kein Fahrplan.

Deshalb schaut das Team morgens auf Vorhersage und Live-Messwerte und legt Sessionzeit und Kitegröße erst aus dem fest, was tatsächlich draußen los ist. Dass es meistens auf den Nachmittag hinausläuft, ist ein Muster, kein Termin.

Thermischer Wind baut sich außerdem allmählich auf: morgens leichter, später kräftiger. Für Anfänger ist das ideal – du gewöhnst dich an den Kite, bevor der Tag richtig Druck macht. Dazu maximal zwei Schüler pro Instruktor und Coaching in Echtzeit über den BB-Talkin-Helm, bei dem du mit deinem Instruktor sprichst und nicht nur zuhörst. Wie weit du am Ende kommst, hängt trotzdem von dir und den Bedingungen der Woche ab.

Vergleiche das mit Europa, wo der Wind kommt, geht, die Richtung wechselt, auf 30 Knoten aufbrist und eine Stunde später wieder komplett einschläft. Hier ist es eine andere Welt.

Thermischer Wind und Wingfoiling

Ein interessanter Nebeneffekt: In Monaten, in denen der thermische Wind schwächer ist, oder morgens, bevor er voll einsetzt, sind die Bedingungen ideal für Wingfoilen. Wingfoil funktioniert schon ab 10–12 Knoten, dank des Hydrofoils, das dich über die Wasseroberfläche hebt.

So lassen sich auch die Stunden, in denen der Wind „zu schwach“ für Kite ist, perfekt nutzen. Deshalb bieten wir beides an – und viele unserer Gäste kombinieren Kitesurfen am Nachmittag mit Wingfoilen am Vormittag. Wenn du zwischen beiden schwankst: Hier ist unser ehrlicher Vergleich Kitesurfen vs. Wingfoilen.

Zusammenfassung für Ungeduldige

  • Thermischer Wind = die Wüste heizt sich auf, Luft vom Meer strömt nach
  • Weht typischerweise von 11 bis 17 Uhr, am stärksten am Nachmittag
  • Kombiniert sich häufig mit dem vorherrschenden N–NW-Wind
  • Historisch am stärksten von April bis Oktober – geöffnet haben wir das ganze Jahr
  • Globale Vorhersage immer gegen die Live-Messwerte am Spot halten

Möchtest du es persönlich erleben? Schau dir unsere Buchung an oder schreib uns über den Kontakt.

Lukáš Vogeltanz Kitepower El Gouna

Lukáš Vogeltanz

IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.

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