Kitesurfen
Sicherheitsregeln für Kitesurfing-Anfänger
Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 5 Min. Lesezeit
Grundlegende Sicherheitsregeln beim Kitesurfen: Vorfahrt auf dem Wasser, Selbstrettung, Sicherheitssysteme. Warum professioneller Unterricht wichtig ist.
Kitesurfen ist ein großartiger Sport. Es ist auch ein Sport, bei dem dich ein Stück Tuch von der Größe einer kleinen Wohnung am Trapez mit einer Kraft zieht, die dich fünf Meter über das Wasser heben kann. Also ja – Sicherheit ist hier kein leeres Wort, sondern eine Notwendigkeit.
Ich möchte dir keine Angst machen. Kitesurfen ist bei Einhaltung der Regeln ein sicherer Sport. Das Schlüsselwort: bei Einhaltung der Regeln. Hier sind die wichtigsten.
Regel Nummer eins: Lern es mit einem Instruktor
Das steht an erster Stelle, weil es das Wichtigste ist. Kitesurfen lässt sich nicht anhand von YouTube-Videos lernen. Ich habe es unzählige Male gesehen – jemand kauft sich einen Kite, schaut ein paar Videos, geht an den Strand und landet im Krankenhaus. Oder der Kite landet in einer Stromleitung. Oder jemand anderes am Strand wird verletzt.
Ein professioneller Instruktor bringt dir Sicherheitssysteme, Regeln auf dem Wasser und Selbstrettung bei, bevor er dich überhaupt allein mit einem Board fahren lässt. Das sind keine Dinge, die man „irgendwie abschätzen“ kann. Du musst sie automatisch und instinktiv beherrschen, denn wenn du sie brauchst, hast du keine Zeit zum Nachdenken. Wenn dich interessiert, wie ein strukturierter Kurs aufgebaut ist, schau dir an, wie wir unterrichten.
Sicherheitssysteme am Kite
Jeder moderne Kite hat mindestens zwei Sicherheitssysteme:
Quick Release (Chicken Loop Release) – Du klinkst dich mit einer Bewegung von der Bar aus. Der Kite ist weiterhin über die Safety Leash mit dir verbunden, verliert aber den Großteil seiner Zugkraft. Das ist dein wichtigstes Sicherheitselement und du musst es blind, mit einer Hand, in jeder Situation auslösen können.
Vollständiges Abtrennen (Safety Leash Release) – Die zweite Stufe. Du trennst dich komplett vom Kite. Der Kite fällt ins Wasser und du bist frei. Wird in extremen Situationen verwendet – Kite ist verheddert, du bist in Gefahr, du kannst den Kite nicht kontrollieren.
Im Kurs übst du beide Systeme mehrmals, bevor du ins Wasser gehst. Es muss automatisch funktionieren. In dem Moment, in dem der Kite dich auf ein Hindernis zuzieht, ist keine Zeit zum Überlegen „wie ging das nochmal“. Für die Begriffe: Unser Kitesurf-Glossar erklärt jeden Teil der Bar und des Sicherheitssystems.
Vorfahrtsregeln auf dem Wasser
Auf dem Wasser gelten Regeln, ähnlich wie im Straßenverkehr. Sie nicht zu kennen ist wie Autofahren ohne Kenntnis der Vorfahrtsregeln an Kreuzungen – früher oder später geht es schief.
Ein Fahrer, der vom Ufer wegfährt, hat Vorfahrt vor einem Fahrer, der zum Ufer fährt. Wer zum Ufer fährt, weicht aus.
Auf entgegengesetzten Kursen hat der Fahrer auf Steuerbordbug Vorfahrt. Wer den Kite auf der rechten Seite fliegt, hält Kurs und Geschwindigkeit; der Fahrer auf Backbordbug weicht frühzeitig aus.
Wer überholt, muss ausweichen. Der schnellere Fahrer hält ausreichend Abstand und darf den überholten Fahrer weder bedrängen noch zu einem Kurswechsel zwingen.
Beim Passieren hält der Fahrer in Luv seinen Kite hoch und der Fahrer in Lee seinen Kite tief. So bleiben die Leinen voneinander getrennt.
Beim Starten und Landen halten alle Beteiligten ausreichend Abstand. Starte niemals in die Bahn eines anderen Fahrers, folge den Anweisungen des Beach-Teams und vermeide eine Kollision, statt auf einer vermeintlichen Vorfahrt zu bestehen.
Das ist nur eine kurze Auswahl. Lies den vollständigen IKO-Leitfaden zu den Vorfahrtsregeln und übe sie mit einem Instruktor. Auf unserer Lagune reduzieren drei getrennte Zonen für Schulung, selbstständige Fahrer sowie Wingfoil/Hydrofoil zusätzliche Konflikte. Wie die Zonen aufgeteilt sind, siehst du auf unserer Spot-Seite.
Selbstrettung
Das ist eine Fähigkeit, von der du hoffst, sie nie einzusetzen – aber du musst sie beherrschen. Selbstrettung bedeutet, sicher ans Ufer zu kommen, wenn etwas nicht funktioniert: die Bar ist gebrochen, eine Leine gerissen, der Wind komplett eingeschlafen, oder du bist einfach erschöpft und weit vom Ufer entfernt.
Wie das konkret abläuft, hängt von deinem Kite ab, von der Art der Störung, von Windstärke und -richtung und von der Küstenlinie. Dazu gehören der korrekte Einsatz des Sicherheitssystems, das Sichern der Leinen und die Entscheidung, ob du den Kite als Segel zum Ufer nutzen kannst oder ihn zusammenpacken musst, bevor dich ein Boot aufnimmt. Aus einer Checkliste lernst du das nicht: Üb die Selbstrettung im Wasser, mit einem Instruktor und mit dem Material, das du tatsächlich fährst. IKO führt sie auf dem Intermediate-Level ein.
In den ersten rund 800 Metern der Schulungszone kannst du – je nach tatsächlicher Tiefe und deiner Körpergröße – oft einfach stehen und dich in Ruhe neu sortieren. Und ja, unser Rescue ist während der Betriebszeiten da; was das genau heißt, steht weiter unten. Trotzdem gilt: Wer allein rausfährt, muss die Selbstrettung beherrschen.
Bedingungen checken, bevor du rausgehst
Vier Dinge, die du dir jedes Mal ansiehst:
Wind – Stärke und Richtung. Nicht jeder Tag ist zum Fahren geeignet. Zu starker Wind ist für Anfänger gefährlich, zu schwacher Wind frustrierend. Dein Instruktor oder das Team am Strand berät dich bei der richtigen Kite-Größe. Um das saisonale Muster zu verstehen, lies unseren Monat-für-Monat-Windguide.
Hindernisse – Boote, Schwimmer, andere Kitesurfer, das Lee-Ufer. Wisse immer, was um dich herum ist.
Wetter – Gewitter und Kitesurfen vertragen sich nicht. Vor einem Gewitter verstärkt sich der Wind unvorhersehbar. Wenn du dunkle Wolken siehst, geh vom Wasser. Wir beobachten das Wetter laufend und rufen bei aufziehender Gefahr alle ans Ufer zurück.
Deine Kondition – Müde? Rückenschmerzen? Ein paar Bier zu viel? Dann bleib lieber am Strand. Ein Kite hat keine Bremse und ein müder Fahrer trifft schlechte Entscheidungen.
Wasserschuhe
Ein kleines Detail, das dir den Urlaub retten kann. Am Boden der Lagune gibt es gelegentlich Muscheln und Muschelstücke. Meistens harmlos, aber ein Tritt auf eine scharfe Muschel kann eine Schnittwunde am Fuß bedeuten und ein paar Tage ohne Fahren.
Leichte Neoprenschuhe oder Wasserschuhe kosten ein paar Euro und nehmen dir das Thema komplett ab. Wir empfehlen sie jedem, nicht nur Anfängern.
Was Rescue während der Betriebszeiten leisten kann
Auf unserer Lagune ist während der Betriebszeiten ein Rescue verfügbar. Was wir dir dabei ehrlicherweise nicht versprechen: ein Boot, das permanent auf dem Wasser steht, einen Einsatz in jeder Situation und eine feste Reaktionszeit. Und trotzdem ist das keine Selbstverständlichkeit – an vielen Spots weltweit gibt es überhaupt keine organisierte Absicherung auf dem Wasser.
Je nach Vorfall, Bedingungen und Verfügbarkeit kann Rescue:
- nach einem Kite-Crash unterstützen, der sich nicht sicher lösen lässt,
- einem erschöpften Rider auf dem Weg zurück zum Ufer helfen,
- die Reaktion des Beach-Teams bei einer Verletzung unterstützen,
- das Beach-Team bei einer schnellen Wetteränderung unterstützen.
Rescue ergänzt Briefing und Selbstrettung. Ersetzen kann es beides nicht – dein wichtigstes Sicherheitssystem bleibt das, was du selbst kannst.
Respektiere den Sport
Kitesurfen ist ein Sport, bei dem dir die Natur zeigt, wer der Chef ist. Wind lässt sich nicht abschalten, eine Welle nicht aufhalten, ein Kite von 12 Quadratmetern hat eine Kraft, die sich die meisten Menschen nicht vorstellen können.
Wer die Regeln kennt, passendes Material fährt, die Bedingungen respektiert und innerhalb des eigenen Könnens bleibt, senkt das Risiko massiv. Genau darauf ist unser Unterricht ausgelegt: IKO-System, Sicherheitsübungen im Wasser statt nur am Strand, und standardmäßig maximal zwei Schüler pro Instruktor und Material-Setup.
Möchtest du sicher starten? Schau dir unsere Kite-Kurse an oder lies mehr darüber, wie unser Spot aussieht und warum er ideal für Anfänger ist.
IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.
Weiterlesen
Mehr zum Thema Kitesurfen
Kitesurfen in Ägypten vs. Europa – warum ans Rote Meer fahren
Ägypten oder Europa? Ein evidenzbasierter Vergleichsrahmen für Wind, Wasser, Unterricht, Anreise, Preis und Saison – ohne pauschale Spot-Rankings.
Lesen →
Deutschsprachiger Kite-Instruktor in El Gouna – rechtzeitig buchen
Deutschsprachige Instruktoren in El Gouna sind begrenzt verfügbar. Frage frühzeitig an; Sprache, Termin und Instruktor gelten erst mit der Buchungsbestätigung.
Lesen →
Kitesurfen und Wingfoilen als Weihnachtsgeschenk – warum das funktioniert
Verschenke zu Weihnachten Kitesurfen oder Wingfoilen in El Gouna. Erlebnis statt Pullover, Gutschein ab 100€, flexibler Termin. Für Paare, Familien und Einzelpersonen.
Lesen →Bereit fürs Wasser?
Buche deinen Kurs auf der Lagune, über die wir schreiben.
Max. 2 Schüler pro Instruktor, Funkschulung in beide Richtungen (BB Talkin), Dokumentation der tatsächlich gezeigten IKO-Skills ohne Aufpreis und eine Wind-Garantie, mit der deine gebuchten Stunden nie verfallen. Zero to Hero ab 465€.
★ 4,8 · 549 Bewertungen Älteste, seit 2004 8 Sprachen am Strand