Kitesurfen
Kitesurfen in El Gouna im Winter – Wind, Wetter und was dich erwartet
Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 6 Min. Lesezeit
Winter-Kitesurfen in El Gouna: 21–23 °C statt Frost, Wind an den meisten Tagen, ein leerer Spot und günstigere Preise. Was dich von Dezember bis Februar erwartet – ein ehrlicher Guide.
In Europa ist Dezember bis Februar die Zeit, in der der Kite in der Garage bleibt. Kaltes Wasser, kurze Tage, Wind, der mehr schmerzt als Spaß macht. Die meisten Kitesurfer warten einfach auf den Frühling.
In El Gouna sieht der Winter jedoch ganz anders aus. Temperaturen um 21–23 °C, Wind weht die meiste Woche und am Spot ist Ruhe. Keine Warteschlangen, kein Kampf um Platz in der Lagune. Es klingt wie ein verlängerter Sommer – und so ist es eigentlich auch.
Hier ist ein ehrlicher Blick darauf, was Winter-Kitesurfen in El Gouna bietet. Ohne Beschönigung.
Wie sieht der „Winter“ in El Gouna aus
Vergiss, was du unter dem Wort Winter verstehst. In El Gouna bedeutet das:
- Lufttemperatur: 21–23 °C tagsüber
- Wassertemperatur: 20–22 °C
- Neopren: langer Neoprenanzug (vor allem morgens und bei Wind)
- Windtage: die meiste Woche
Zum Vergleich – im Dezember sind es in Prag durchschnittlich 1 °C, in Berlin 3 °C, in Warschau –1 °C. In El Gouna sitzt du zu dieser Zeit am Strand im T-Shirt und isst draußen zu Mittag.
Dezember – Übergang mit Weihnachtsbonus
Dezember ist ein interessanter Monat. Die ersten zwei Drittel sind ruhig – der Spot leert sich nach der Herbstsaison, die Temperaturen sinken und die Unterkunftspreise gehen runter. Es ist die ideale Zeit, wenn du Ruhe willst.
Der Wind im Dezember ist besser als im Januar. Der thermische Effekt funktioniert noch und es weht solide. Nicht jeden Tag, aber die meiste Woche.
Um Weihnachten und Silvester ändert sich das. Es kommen Leute, die die Feiertage am Strand statt unter dem Weihnachtsbaum verbringen möchten. Die Atmosphäre am Spot hebt sich – mehr Menschen, die Abende werden lebhafter, die Restaurants in El Gouna haben Spezialmenüs.
Temperatur: 22 °C Luft / 22 °C Wasser
Neopren: langer Neoprenanzug, besonders bei morgendlichen Sessions
Tipp: Wenn du sparen möchtest, fahr in der ersten Dezemberhälfte. Wenn du Atmosphäre möchtest, komm zu Weihnachten. Beides hat seine Vorteile.
Januar – der ruhigste Monat des Jahres
Nach dem Weihnachts- und Silvester-Ansturm beruhigt sich der Spot im Januar komplett. Es ist die ruhigste Zeit des ganzen Jahres. Auf dem Wasser triffst du hauptsächlich lokale und Langzeitgäste.
Die Temperaturen sinken auf 21 °C, das Wasser liegt ebenfalls bei 21 °C. Morgens ist es spürbar kühler – rechne mit 14–16 °C bei Sonnenaufgang. Aber sobald die Sonne rauskommt, erwärmt es sich schnell.
Wind weht, aber nicht jeden Tag. Realistisch gesehen fährt man aber deutlich mehr als die halbe Woche. Manche Tage weht es schwach – und das ist die ideale Zeit fürs Wingfoilen, das auch bei leichterem Wind wunderbar funktioniert.
Temperatur: 21 °C Luft / 21 °C Wasser
Neopren: langer Neoprenanzug, gegen Abend mit Neoprenweste
Für wen: Menschen, die maximale Ruhe und persönliche Betreuung wollen. Mit maximal zwei Schülern pro Instruktor liegt der Fokus voll auf dir. Die Lagune ist leer. Und in Europa schneit es unterdessen.
Februar – langsam wird es wärmer
Februar ist der Vorbote des Frühlings. Die Temperaturen steigen auf 23 °C, die Tage werden länger und am Spot ist noch relative Ruhe. Das Wasser ist paradoxerweise um ein Grad kälter als im Dezember – das Meer reagiert auf Temperaturänderungen mit Verzögerung.
Der Wind ist vergleichbar mit Januar. Er weht die meiste Woche, gelegentlich legt er sich für einen Tag. Die Bedingungen sind vorhersehbar und stabil.
Ende Februar spürt man, dass die Hauptsaison näher rückt. Die ersten Frühlingsgäste reisen an, am Spot sind etwas mehr Leute. Aber es ist immer noch Low Season – mit entsprechenden Preisen und Platz.
Temperatur: 23 °C Luft / 20 °C Wasser
Neopren: langer Neoprenanzug; Ende Februar sind die wärmsten Nachmittage spürbar milder
Tipp: Februar ist der letzte Monat mit Low-Season-Unterkunftspreisen. Wenn du einen Frühlingsurlaub planst, fahr lieber Ende Februar als im März – du sparst, und die Bedingungen sind vergleichbar.
Warum die Winter-Low-Season eigentlich ein Vorteil ist
Die meisten Menschen nehmen die Low Season als „schlechtere“ Zeit wahr. Wir verstehen das – es klingt nach „außerhalb der Saison“ und das suggeriert, dass etwas fehlt. Aber in El Gouna ist es genau umgekehrt.
Leererer Spot = besseres Erlebnis
In der Hochsaison (September–Oktober) ist am Spot viel los – bis zu 25 Instruktoren und Dutzende Schüler gleichzeitig auf dem Wasser. Im Winter ist das Team kleiner, und der Trubel auch.
Was das für dich heißt: mehr Platz zum Üben, weniger Slalom zwischen fremden Leinen. Welche Zone an deinem Tag offen ist und welches Material du bekommst, hängt trotzdem vom Wind, vom Wasserstand und vom Betrieb ab – leer heißt nicht automatisch fahrbar.
Mehr Aufmerksamkeit vom Instruktor
Wir setzen nie mehr als zwei Schüler auf einen Instruktor – und in den ruhigen Winterwochen bekommst du oft noch mehr 1:1-Zeit. Der Instruktor korrigiert Fehler sofort, coacht dich in Echtzeit per Funk in beide Richtungen (BB-Talkin-Bluetooth-Helm) direkt auf dem Wasser und hat Zeit für individuelles Feedback.
Wie schnell du dabei vorankommst, ist trotzdem eine persönliche Sache – die einen stehen nach zwei Tagen, die anderen brauchen die ganze Woche.
Günstigere Unterkünfte
Hotels und Apartments in El Gouna haben im Winter deutlich niedrigere Preise. Der Unterschied zum Oktober-Peak kann 30–50 % betragen. Für das gleiche Budget bekommst du ein besseres Zimmer oder einen längeren Aufenthalt. Einen Überblick über die Optionen in Spot-Nähe findest du in unserem Unterkunfts-Guide.
Flucht vor dem europäischen Winter
Das ist einfach eine Tatsache. Während du zu Hause Eis vom Auto kratzt und drei Schichten anziehst, sitzt du in El Gouna auf der Terrasse im T-Shirt und schaust dem Sonnenuntergang über der Lagune zu. Zehn Tage im winterlichen Ägypten geben deinem Körper und deinem Kopf mehr als ein Monat Warten auf den Frühling.
Was du vom Wind im Winter erwarten kannst
Seien wir ehrlich: Der Winterwind in El Gouna ist nicht so stark und zuverlässig wie im September oder Oktober. Der thermische Effekt, der im Sommer zuverlässig den Nachmittagswind bringt, ist im Winter schwächer.
Realistisch: Es weht an den meisten Tagen, aber nicht an allen. Manche Tage weht es stark und stabil, andere schwach. Gelegentlich kommt ein Tag ganz ohne Wind. Übers Jahr messen wir auf unserer eigenen Wetterstation über 300 Windtage – der Winter knabbert davon nur die Ränder ab.
Was tun an windstillen Tagen? El Gouna bietet genug Alternativen – Tauchen, Schnorcheln, Paddleboarding, Ausflüge nach Luxor. Und wenn du mehr über die Bedingungen erfahren möchtest, schau dir unseren kompletten Saisonführer Monat für Monat an.
Die aktive Zone folgt dem Wasserstand
Wir sind das ganze Jahr am Wasser, aber die Tiefe wandert mit der Tide. Die ersten rund 800 m sind über Sand knie- bis hüfttief, dahinter liegt die separate tiefere Foil-Zone. Welche Zone wir öffnen, entscheiden wir nach Wasserstand, Wind und Betrieb – bei jedem Tidenstand fahrbar ist die Lagune nicht. Details: Spot-Seite.
Wir haben über 250 Kites von 3 bis 21 m². Dein Instruktor passt die Größe an Gewicht, Level und aktuellen Wind an – Wind macht die größte Flotte allerdings auch nicht.
Praktische Tipps für den Winteraufenthalt
Was einpacken:
- Langer Neoprenanzug (oder bei uns leihen)
- Neoprenschuhe – das Wasser hat rund 20 °C, die Füße merken es
- Windjacke für die Abende – nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur auf etwa 15 °C
- Sonnencreme – die Sonne ist auch im Winter stark
Transfer: Flug nach Hurghada (HRG), von dort dauert der Transfer nach El Gouna etwa 30–40 Minuten. Du kannst ihn über uns buchen.
Kurse: Der 8-stündige Grundkurs führt dich strukturiert von Sicherheit und Kitesteuerung über den Wasserstart bis zum kontrollierten Fahren. Wo du am Ende der acht Stunden stehst, hängt von dir und den Bedingungen ab – dein Instruktor trägt genau das ins IKO-Buch ein, was du tatsächlich gezeigt hast, nicht das Kursziel. Im Winter bekommst du leichter einen passenden Termin und hast mehr Platz auf dem Wasser. Komplettes Kursangebot.
Für wen ist das winterliche El Gouna ideal
- Anfänger – leere Lagune, volle Aufmerksamkeit des Instruktors, kein Stress
- Kitesurfer, die trainieren wollen – Ruhe auf dem Wasser, Platz für Fehler
- Menschen, die vor dem Winter fliehen – 21 °C statt –5 °C
- Budget-Reisende – günstigere Unterkünfte und Flüge
- Remote Worker – vormittags Arbeit, nachmittags Kiten
Fazit
Winter-Kitesurfen in El Gouna ist kein Kompromiss. Es ist ein anderes Erlebnis als im September, aber in vielerlei Hinsicht ein besseres. Weniger Menschen, mehr Platz, persönlichere Betreuung und Preise, die dich erfreuen werden.
Was wir dir nicht versprechen können, ist der Wind an deinem konkreten Tag – der bleibt Wetter, hier wie überall. Schau dir vor der Planung unsere Daten und die aktuelle Vorhersage an. Mehr unter Kurse und Online-Buchung.
IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.
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