Kitesurfen
Kitesurfen bei Leichtwind in Ägypten – funktioniert das?
Von Lukáš Vogeltanz · unterrichtet bei Kitepower El Gouna 5 Min. Lesezeit
Welche Optionen ein größerer Kite, Foil-Kite, Hydrofoil oder Wingfoil bei Leichtwind schaffen kann – und warum kein Setup eine Session garantiert.
Diese Frage bekommen wir hauptsächlich von Leuten, die über einen Aufenthalt in den Sommermonaten nachdenken. Und die ehrliche Antwort? Es kommt darauf an, welches Material du hast und wie sehr du bereit bist, dich an die Bedingungen anzupassen. Schauen wir uns das genauer an.
Wie es mit dem Wind in El Gouna wirklich aussieht
Unsere Wetterstation zeigt klare saisonale Muster – aber auch in den statistisch stärksten Monaten gibt es leichte und unfahrbare Tage. Das komplette Monatsbild aus vier Jahren eigener Stationsdaten findest du im Guide zur besten Zeit zum Kiten in El Gouna. Zum Planen ist das Gold wert; ein Versprechen für dein konkretes Datum ist es nicht.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Leichtwind und gar keinem fahrbaren Wind. An manchen Tagen liegen die Messwerte in einem Bereich, den du mit dem passenden Material nutzen kannst; an anderen ist bei jedem Setup Schluss. Eine Mindeststärke, die für alle gilt, gibt es nicht – dafür spielen Gewicht, Material und Können zu stark mit.
Das Problem mit eigenem Material
Und hier liegt der Kern des Problems. Wenn du mit deinem eigenen 10-Meter-Kite bei 80 kg Gewicht ankommst, brauchst du mindestens 14–15 Knoten, um überhaupt loszufahren. Bei 10 Knoten sitzt du am Strand und schaust aufs Wasser.
Jemand mit ähnlichem Gewicht, der stattdessen einen 17er aus dem Verleih holt, fährt bei genau denselben Messwerten vielleicht raus. Vielleicht auch nicht – das hängt an seinem Können, an den Bedingungen und daran, was gerade verfügbar ist.
Das ist der wesentliche Unterschied zwischen einem begrenzten Quiver und dem Zugang zu einem vollen Materialspektrum.
Lösung #1: Größerer Kite
Mehr Fläche heißt mehr nutzbarer Windbereich – so einfach ist die Physik. Unser Verleih bietet Kites von 3 bis 21 m². An die großen Flysurfer Soul- und Sonic-Modelle lassen wir dich, wenn Können, Messwerte und Verfügbarkeit zusammenpassen: Diese Kites brauchen Erfahrung.
Hier eine ungefähre Übersicht:
| Fahrergewicht | Starker Wind (20+ kn) | Mittlerer Wind (14–18 kn) | Leichter Wind (10–13 kn) |
|---|---|---|---|
| 65 kg | 7–9 m² | 10–12 m² | 14–17 m² |
| 80 kg | 9–11 m² | 12–14 m² | 17–21 m² |
| 95 kg | 11–13 m² | 14–17 m² | 19–21 m² |
Das sind Richtwerte – Kite-Typ, Fahrstil und Können verschieben die Zahlen. Ein breiterer Quiver öffnet dir mehr Tage als ein einzelner Kite, aber nicht jede Flaute lässt sich mit Fläche lösen. Wenn du dir nicht sicher bist, wie Kite-Größe und Windstärke zusammenhängen, hilft dir unser Guide zur richtigen Kite-Größe.
Lösung #2: Foil-Kite
Zu den Flysurfer-Kites, die wir verwenden, gehören auch Foil-Kites (ein Kite ohne Tuben, der sich durch die anströmende Luft füllt). Sie haben mehrere Vorteile gegenüber klassischen Tube-Kites bei Leichtwind:
- Besserer Zug bei weniger Wind – das aerodynamische Profil ist effizienter
- Stabiler bei Leichtwind – sie fallen nicht so leicht vom Himmel
- Größerer Windbereich – ein Kite deckt ein breiteres Spektrum an Bedingungen ab
Wenn du Tube-Kites gewohnt bist, braucht der Wechsel auf einen Foil-Kite Eingewöhnung. Wir sind seit 2009 offizieller Flysurfer-Vertrieb und Testcenter in Ägypten. Welche Modelle du auf dem Wasser testen kannst, klärt das Team kurz mit dir – nach Können, Wind des Tages und dem, was gerade frei ist.
Lösung #3: Hydrofoil
Das ist ein Game Changer für Leichtwind. Das Hydrofoil – also ein Kite-Board mit Flügel unter Wasser – reduziert den Widerstand radikal und ermöglicht das Fahren bei Bedingungen, wo du auf einem Twintip-Board keine Chance hättest.
Erfahrene Rider kommen mit Hydrofoil und passendem Kite runter bis ungefähr 8–10 Knoten. Das ist kein Freifahrtschein für jeden: Gewicht, Können, Wassertiefe, Mastlänge und Material entscheiden mit.
Wir haben Hydrofoil-Material zum Verleih und bieten auch Hydrofoil-Kurse an. Du brauchst aber solide Grundlagen im Kitesurfen auf dem Niveau eines selbstständigen Kiters, denn Foiling erfordert volle Konzentration auf die Füße und das Board – dabei kannst du dich nicht mit dem Kite beschäftigen.
Mehr über Hydrofoiling in El Gouna findest du in unserem Hydrofoil-Guide.
Lösung #4: Wingfoilen
Wingfoilen ist ein eigener Sport – und einer, der dir Tage rettet, an denen der Kite am Strand bleibt. Ein Wing mit Foil-Board läuft je nach Gewicht, Setup und Können ungefähr ab 10–12 Knoten.
Unser 5-stündiger Wingfoil-Kurs bietet einen strukturierten Einstieg von der Wing-Handhabung bis zur Arbeit am Foil. Erfahrung im Windsurfen oder Kitesurfen hilft dir dabei. Ein bestimmtes Ergebnis verspricht der Kurs trotzdem nicht – dein Tempo bestimmen die Bedingungen und das, was du auf dem Wasser tatsächlich hinbekommst. Wenn du zwischen beidem schwankst, hier unsere Einschätzung zu Kitesurfen vs. Wingfoilen.
Im Sommer ist das oft der Unterschied zwischen einer Session und einem Nachmittag im Liegestuhl.
Praktischer Blick: An wie vielen Tagen fährst du?
Seien wir realistisch. Wenn du im Juli für 10 Tage nach El Gouna kommst, an wie vielen davon wirst du auf dem Wasser sein?
Mit einem 12er und Twintip ist dein Fenster schmaler als mit einem breiten Quiver, Hydrofoil oder Wing-Setup. Eine konkrete Zahl an Fahrtagen nennen wir dir trotzdem nicht – wer das tut, rät. Wind, Wasserstand, dein Können und die Materialverfügbarkeit entscheiden das vor Ort.
Der Verleih gibt uns mehr Möglichkeiten zum Abstimmen. Wind macht er keinen.
Sommer in El Gouna – der versteckte Vorteil
Viele Kiter schauen zuerst auf Oktober bis April. Die Stationsdaten zeigen aber in jedem Monat starke und schwache Fenster – „die beste Zeit“ gibt es nicht ohne deine konkreten Reisedaten. Und der Sommer hat handfeste Vorteile:
- Weniger Leute am Spot – in der Hauptsaison sind wir mit bis zu 25 Instruktoren unterwegs und der Spot ist voll. Im Sommer sind wir weniger am Strand und es gibt viel Platz
- Günstigere Unterkünfte – besonders der Juli ist deutlich günstiger
- Warmes Wasser – 27–29 °C, Boardshorts und Rashguard, kein Neoprenanzug
- Sportkombination – einen Tag Kite, nächsten Tag Wing, dritten Tag Strand
- Ruhe – wenn du keine Party und Action suchst, sondern Ruhe auf dem Wasser
Was tun, wenn gar kein Wind weht?
Auch das passiert. Und weißt du was – das ist nicht das Ende der Welt. El Gouna bietet viele andere Aktivitäten:
- Unser Beach Club – im Schatten entspannen mit Meerblick
- Schnorcheln – El Gouna hat tolle Korallenriffe
- Stand-Up-Paddling – bei Flaute ist die Lagune wie Glas
- Tauchen – das Rote Meer ist eine bekannte Tauchregion; Bedingungen und Zugang klärst du beim lizenzierten Anbieter
- El Gouna Downtown – Restaurants, Cafés, Shops
Wie lange eine Flaute anhält, weiß niemand vorher. Mehr Ideen für Tage abseits des Wassers findest du in unserem Guide zu Aktivitäten in El Gouna.
Zusammenfassung: Leichtwind kann mehr Möglichkeiten eröffnen
Die Kernbotschaft: Mehr Materialauswahl macht aus Leichtwindtagen fahrbare Tage. Ein größerer Kite, ein Foil-Kite, ein Hydrofoil oder ein Wing – jedes davon verschiebt deine Untergrenze nach unten. Ein Setup, das jeden Tag rettet, gibt es trotzdem nicht: Wind, Wassertiefe, dein Level und die Sicherheit entscheiden am Ende.
Genau dafür ist unser Verleih mit 250+ Kites da. Du musst keine drei Kites in der Boardbag mitschleppen – wir schauen uns die Messwerte und dein Level an und geben dir das Material, mit dem an diesem Tag etwas geht.
Möchtest du mehr Optionen für deine Reise? Buche dein Material und schreib uns dein Level und deine Termine – wir bestätigen dir die Verfügbarkeit und planen nach den tatsächlichen Bedingungen.
IKO Head Instructor & Co-Owner von Kitepower El Gouna — Schulgeschichte seit 2004, heutiger nördlicher Spot seit 2016, seit 2023 von Lukáš und Andrea mitgeführt.
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★ 4,8 · 549 Bewertungen Älteste, seit 2004 8 Sprachen am Strand